Beatrice Costabile ist Übersetzerin und Dolmetscherin für die Sprachen Englisch und Deutsch, die ihr Studium 2022 mit der vollen Punktzahl abgeschlossen hat. Sie hatte von Anfang an eine klare Vorstellung von ihrer Zukunft und darüber, dass Sprachen dazugehören würden. Schon in der Grund- und Mittelschule freute sie sich auf die Englisch- und Französischstunden, und gern hätte sie anstelle des Mathematikunterrichts ein schönes Buch gelesen, um in Gedanken in andere Länder zu reisen – etwa nach England, dessen Sprache sie so liebte.
Es folgten das neusprachliche Gymnasium, das Bachelorstudium in Sprach- und Kulturmittlung, Erasmus-Aufenthalte in Deutschland und Österreich, das Diplom „European Masters in Conference Interpreting“ und schließlich der Master in Dolmetschen. Der nach dem Abschluss erhaltene Premio Studio Tre war für Beatrice ein wichtiger Beitrag für das Startkapital ihrer Laufbahn als selbstständige Dolmetscherin und Übersetzerin.

Beatrice, weshalb hast du dich für dieses Studium entschieden?
Ich reise gern, um die Kultur anderer Länder kennenzulernen, und ich bin davon überzeugt, dass die Kenntnis der Landessprache unbedingt notwendig ist, um diese wirklich zu verstehen.
Was war das Thema deiner Examensarbeit für den Masterabschluss?
Der Titel meiner Masterarbeit lautet Lernen durch Beobachtung. Pädagogik des Beispiels beim Simultandolmetschen: Anstöße für Didaktik und selbstständiges Lernen.. Ich wollte herausarbeiten, welche Rolle die Beobachtung des Experten bei der Aneignung der für das Simultandolmetschen erforderlichen Fähigkeiten spielt. Nach einer Übersicht über die Fachliteratur zum Thema Psychopädagogik und kognitive Wissenschaften, die sich mit dem Beispiel als Lernstrategie beschäftigt, habe ich die Hauptparadigmen der Didaktik des Simultandolmetschens behandelt: vom reinen Praktikum der Anfänge bis zu den heutigen, beispielhaft mit dem Modell von Setton und Dawrant (2016) erläuterten Studiengängen.
Anschließend habe ich die bereits von Dolmetscherausbildern erarbeiteten Vorschläge des example-based learning unter Erörterung ihrer Vor- und Nachteile analysiert und in drei Hauptkategorien unterteilt: die Vorführung des Dozenten, die Beobachtung von Konferenzen und die Arbeit mit multimedialen Materialien, darunter die Korpora, die Zugriff auf die Leistungen von professionellen Dolmetschern bieten. Zum Abschluss habe ich die geeignetsten beispielbasierten Aktivitäten zur Ergänzung des Unterrichts in der Klasse und des Selbststudiums für jede Phase des Lernprozesses schematisch zusammengefasst.
Es handelt sich also um ein Inventar mit theoretischen Denkanstößen und konkreten Vorschlägen für Didaktik und Selbststudium, die die Ausbilder:innen und Studierenden zur Verfügung stehenden Instrumente ergänzen können.
Wofür interessierst du dich außer Sprachen?
Mir fällt nichts ein, was nicht in irgendeiner Weise mit Sprachen in Verbindung stünde! Ich reise und lese leidenschaftlich gern; eine Schriftstellerin, die ich seit einigen Jahren besonders mag, ist die Irin Sally Rooney. Ich lese immer in der Originalsprache, denn es macht mir Spaß zu überlegen, wie ich einzelne, kompliziert klingende Passagen übersetzen würde… das ist vermutlich eine Berufskrankheit? 🙂
Ich sehe auch gern TV-Serien; allen voran Friends, die mir geholfen hat, die Unterschiede zwischen britischem und US-amerikanischem Englisch und ihre Slangs zu verstehen. Für Deutsch ist es nicht ganz so einfach, interessante Serien zu finden, da in Deutschland nicht so viel produziert wird, aber mir gefällt zum Beispiel Dark, das auf Netflix im Streaming gezeigt wird.
Erzähl uns, wie der Premio Studio Tre dir geholfen hat, oder dir helfen wird, deine Pläne zu verwirklichen.
Mit dem Beitrag von Studio Tre habe ich meine Mitgliedschaft im italienischen Übersetzer- und Dolmetscherverband AITI bezahlt, und die ersten Schritte unternommen, um meine größte Leidenschaft zu meinem Beruf zu machen. Aiti bietet seinen Mitgliedern außerdem kontinuierliche Fortbildung mit Kursen, Seminaren, Workshops, Webinaren. Ich habe zum Beispiel schon ein hochinteressantes Seminar über die beglaubigte Übersetzung besucht.
Gibt es in einem der Bücher, die du gelesen hast, einen Satz, der dir besonders wichtig ist?
Ja, ein Satz aus Call me by your name von André Aciman„[…] if there is pain, nurse it, and if there is a flame, don’t snuff it out, don’t be brutal with it. […] We rip out so much of ourselves to be cured of things faster than we should that we go bankrupt by the age of thirty and have less to offer each time we start with someone new. But to feel nothing as not to feel anything – what a waste!”. Ich finde, das drückt sehr gut aus, wie ich meinen Alltag anzugehen versuche: offen und ohne Ängste alles anzunehmen, was das Leben mir zu bieten hat – die glücklichen Tage ebenso wie die schmerzhaften Erfahrungen. Alles ist wichtig, und aus allem lernen wir etwas.




